Köln - Am 13. März 2026 wurde die STATION-Berlin erneut zum Treffpunkt der Abbruchbranche: 125 Aussteller präsentierten auf einer komplett ausverkauften Fläche von 1.210 m² ihre Produkte, Dienstleistungen und Lösungen. Darüber hinaus belegten 12 spannende Vorträge die einzigartige Vielfalt der Branche – deren Themen von Maschinentechnik über Arbeitsschutz bis hin zu Analyse- und Recyclingverfahren reichten. Denn im Abbruch gilt: Jedes Projekt bringt eigene Randbedingungen mit – sensible Nachbarschaften, laufender Betrieb, Verkehr, Schadstoffe, enge Zeitfenster oder anspruchsvolle Stoffstrom- und Dokumentationsanforderungen. Das stellten die Redebeiträge eindrucksvoll und praxisnah zur Schau.
Bauforum24 Artikel (19.03.2025): Fachtagung Abbruch 2025
Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky begeisterte als diesjähriger Keynote Speaker das Publikum und lieferte mit seinen Prognosen zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung zahlreiche Denkanstöße.
Die FACHTAGUNG ABBRUCH hat sich über viele Jahre hinweg als das bedeutendste Event in der Branche für Abbruch, Recycling und Schadstoffsanierung etabliert. Auch in diesem Jahr überzeugte die Veranstaltung des Deutschen Abbruchverbandes mit einer umfassenden Fachausstellung mit 125 Ausstellern, hochkarätigen Referenten und vielfältigen Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Über 1.300 Fachbesucher aus der gesamten Branche fanden den Weg in die STATION-Berlin. Neben dem nationalen Publikum nutzten auch internationale Gäste die Gelegenheit, sich vor Ort über Entwicklungen, Projekte und Innovationen zu informieren.
In seiner Eröffnungsrede hieß DA-Geschäftsführer Andreas Pocha die Teilnehmer willkommen und betonte die besondere Stärke der Branche: Rückbau ist nie „Standard“, sondern immer eine maßgeschneiderte Lösung – technisch, organisatorisch und rechtlich. „Dabei bleibt eines konstant: die Werte der Branche“, so Pocha. „Sicherheit, Qualität, Verantwortung und pragmatische Lösungsorientierung stehen immer im Mittelpunkt.“
Gelegenheit für produktive Gespräche am Stand gab es bei der FACHTAGUNG ABBRUCH 2026 reichlich. Neue Ideen, spannende Kontakte und innovative Lösungen wurden in der ausverkauften Fachausstellung mit insgesamt 125 Ausstellern ausgetauscht.
Insgesamt 12 Vorträge untermauerten diese Vielfalt. Sie reichten von Zukunftsbildern für die Arbeitswelt über anspruchsvollste Rückbauprojekte bis hin zu Sprengtechnik aus der Praxis und KI-gestützten Ansätzen für Analyse, Klassifizierung und Entscheidungsprozessen.
Kristina zur Mühlen, TV-Moderatorin und Physikerin, führte durch das gesamte Vortragsprogramm. Die Teilnehmer hatten im Anschluss an jeden Vortrag die Möglichkeit, über ein Online-Tool Fragen an die Referenten zu stellen.
Unterstützt wurde die FACHTAGUNG ABBRUCH nicht zuletzt von zahlreichen Sponsoren, die auch in diesem Jahr wieder dazu beigetragen haben, die Tagung zu einem ganz besonderen Event zu machen.
Zukunftsblick 2035: Rückbau wird zum Systemgeschäft
Mit einem Blick nach vorn eröffnete Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky den Tag. Seine zentrale Botschaft: Der Abbruch entwickelt sich von der „nachgelagerten Dienstleistung“ zum neuralgischen Punkt einer neuen Bau- und Immobilienökonomie. Künftig entscheidet Rückbau nicht nur über Zeit und Kosten, sondern über CO₂-Bilanzen, Materialverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit ganzer Wertschöpfungsketten. Treiber seien insbesondere ESG-Vorgaben, EU-Taxonomie, CO₂-Bepreisung und steigende Dokumentationspflichten.
Jánszky skizzierte außerdem, wie Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und Robotik den Rückbau bis 2035 verändern können: Bestände werden vor dem ersten Gerätedurchlauf datenbasiert analysiert, Rückbauvarianten simuliert und Materialströme präziser kalkuliert. Robotik übernimmt gefährliche oder präzisionskritische Arbeiten – der Mensch wird stärker zum Operator, Planer und Qualitätsmanager. Sein Fazit: Wer heute in Datenkompetenz, Prozessqualität und Technologie investiert, baut sich die Basis für Resilienz und Wachstum.
Rückbau im laufenden Werk: Logistik unter Echtzeit-Bedingungen
Wie komplex selektiver Rückbau bei laufender Produktion sein kann, zeigte Peter Mues (AWR Abbruch GmbH, Mülheim-Kärlich) anhand eines Großprojekts im Werk Mercedes-Benz AG, Sindelfingen. Der Rückbau eines zuvor als Montagegebäude genutzten Komplexes lag im Herzen des Werks – angrenzend an weiterhin betriebene Produktionsbereiche und Sozialgebäude. Lärm- und Staubemissionen, Erschütterungen und strikte Werkslogistik waren damit zentrale Projektparameter.
Mehr als 1.300 Fachbesucher zog es in diesem Jahr in die STATION-Berlin zu Europas größtem Branchentreff im Bereich Abbruch und Rückbau.
Besonders herausfordernd: Stoffströme und Flächen mussten so organisiert werden, dass Rückbau und anschließender Neubau nahtlos ineinandergreifen. Unbelastete mineralische Materialien sollten vor Ort zu RC-Material aufbereitet und wiederverwendet werden – bei gleichzeitig fehlenden Zwischenlagerflächen.
Biblis: Sanierung und Entsorgung mit maximaler Regelwerksdichte
Ein Praxisbericht mit besonderer Tragweite kam aus dem Kerntechnikbereich: Thomas Wellmann (ERM GmbH) und Markus Brilon (RWE Nuclear GmbH) gaben Einblicke in Sanierung und Entsorgung beim Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit asbesthaltigen Bauteilen und die daraus folgenden Anforderungen an Verfahren, Nachweise und Arbeitsschutz.
Thematisiert wurden die prüfende Anwendung gesetzlicher Grundlagen und Normen, die abgestimmte Auslegung mit Behörden und ausführenden Unternehmen sowie die Entwicklung und Genehmigung geeigneter Vorgehensweisen – inklusive Probesanierungen, Messungen und messtechnischer Begleitung.
Kühlturm-Rückbau in Berlin: Präzision statt Sprengung
Dass die zum Einsatz kommende Abbruchmethode auch immer von der Umgebung abhängt, zeigte Philipp Bunde (sat. Industrie-Abbruch GmbH) am Rückbau eines rund 52 Meter hohen Kühlturms in Berlin-Lichterfelde. Wegen sensibler Technik in unmittelbarer Nähe war eine Sprengung ausgeschlossen – gefragt war ein kontrolliertes, abschnittsweises Vorgehen.
Beim Dialogabend, der ebenfalls in der STATION-Berlin stattfand, bot sich den Besuchern in entspannter Atmosphäre, beim Essen mit Getränken und Musik noch einmal die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen Besuchern und potenziellen Geschäftspartnern auszutauschen.
Die eigentliche Herausforderung lag in der Baustellensituation: Nähe zum Teltowkanal, nur eine Arbeits- und Standfläche, begrenzter Aktionsradius durch angrenzende Gebäude und Rohrbrücken. Ergebnis: sicherer Rückbau unter Extrembedingungen – und rund 3.000 m³ RC-Material für den Stoffkreislauf.
Materialdaten in Echtzeit: KI für mineralische Stoffströme
„Wissen, was drin ist“ – darum ging es bei Hannes Berteit (Optocycle GmbH, Tübingen). Sein Punkt: Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im mineralischen Bereich scheitert oft nicht an fehlender Technik, sondern an fehlenden, uneinheitlichen Qualitätsdaten. Genau hier setzt der vorgestellte Ansatz an.
Technisch basiert die Lösung auf multispektraler Videoerfassung kombiniert mit KI-gestützter Auswertung. Die Ergebnisse laufen als „Single Source of Truth“ in einer Software zusammen.
Sprengen unter Kontrolle: Von Scholven bis München
Im gemeinsamen Beitrag der Mitglieder des Fachausschusses Sprengtechnik des Deutschen Abbruchverbandes wurde Sprengtechnik als hochpräzises Werkzeug der Moderne gezeigt – anhand zweier sehr unterschiedlicher Beispiele.
Beim Kraftwerkstandort Scholven wurde am 22.11.2025 das Kesselhaus F mit Treppenturm und LUVO-Anbau gesprengt. Besonderheiten: der kombinierte Einsatz verschiedener Verfahren.
Ganz anders, aber ebenso eindrucksvoll: die „Operation Bunkerherz“ in München, direkt am Hauptbahnhof – sprengtechnischer Teilrückbau eines massiven Luftschutzbunkers für den Neubau der U-Bahn-Linien U4/U5.
Fazit beider Projekte: Sprengen ist dann stark, wenn Planung, Schutzkonzept, Monitoring und Ausführung millimetergenau zusammenspielen.
Wiederverwendung als Erlöshebel: Zirkulär wird marktfähig
Wie Rückbau wirtschaftlich zirkulär gedacht werden kann, zeigten Katrin Mees (Deutscher Abbruchverband e. V.) und Christopher Wrociszewski (Concular GmbH). Sie stellten klar: Wiederverwendung ist kein „Nice-to-have“, sondern kann zusätzliche Erlöse und neue Geschäftsmodelle schaffen – wenn Demontage, Dokumentation, Lagerung und Vermarktung frühzeitig organisiert werden.
Im Vortrag wurde deutlich, dass der Kreislauf nur funktioniert, wenn alle Zahnräder greifen: Flächenentwicklung, Rückbau, Daten/Erfassung und Wiederverwendung müssen zusammengedacht werden.
Asbest 2025+: Was Unternehmer jetzt beachten müssen
Mit Blick auf die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung ordnete Berit Schuchmann (BG BAU) ein, welche Pflichten und Verfahren beim asbestbezogenen Rückbau künftig besonders relevant sind – und wie sich Anzeige- und Zulassungsfragen je nach Risikobereich verändern.
Sie betonte insbesondere Verfahren zur Minimierung bzw. Vermeidung der Faserfreisetzung sowie Maßnahmen gegen Faserverschleppung – als entscheidende Stellschrauben für Sicherheit und Praxistauglichkeit.
Brückenrückbau mit rollendem Verkehr: Mönchhof-Dreieck
Rückbau bei laufendem Autobahnbetrieb ist eine eigene Disziplin – das zeigte der Beitrag von Thomas Holzheu und Thomas Rieder (Max Wild GmbH) zum Mönchhof-Dreieck. Bevor der konventionelle Abbruch starten konnte, wurde ein Traggerüst eingeschoben, das den Spannbetonüberbau statisch stützte und gleichzeitig die darunterliegenden Autobahnen schützte.
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Besonders spektakulär: Der rund 104 Meter lange und ca. 3.200 Tonnen schwere Überbau wurde zunächst um etwa 5,20 Meter angehoben. Dabei kamen 20 Hydraulikpressen zum Einsatz. Vorbereitet wurde das Projekt u. a. mit georeferenzierter 3D-Planung.
Weltweit erster Vollelektrischer Rückbau
Dass vollelektrischer Rückbau bereits heute machbar ist, zeigten David Porst (MMRHP Metzner Recycling GmbH) und Peter Bauer (Volvo CE Germany GmbH). Im Zentrum stand ein Pilotprojekt, in dem Rückbau, Aufbereitung und Logistik konsequent auf Elektrifizierung ausgelegt wurden – mit dem Ziel, Emissionen und Transporte deutlich zu reduzieren.
Das Fazit der Referenten: Erfolgsentscheidend ist ein starkes Netzwerk aus Auftraggeber, Netzbetreiber, Auftragnehmer und Dienstleistern – und gerade im innerstädtischen Umfeld sehen sie großes Potenzial für voll- und teilelektrische Baustellen.
Arbeitssicherheit, die wirkt: Praxisbrille statt Zeigefinger
Arbeitsschutz muss im Alltag ankommen – mit diesem Anspruch traten Ann-Christin Vennes (Vennes Erd- u. Tiefbau Abbruch GmbH & Co. KG) und Philipp Ellsäßer (QIKY GmbH) auf. Sie kombinierten Baustellenpraxis mit digitaler Umsetzungskompetenz und zeigten anhand konkreter Beispiele, wie sich Organisation, Technik und Kommunikation so verbinden lassen, dass Arbeitssicherheit verständlich und umsetzbar wird.
Der Vortrag setzte bewusst auf Haltung statt Hochglanz: ehrlich, praxisnah, ohne erhobenen Zeigefinger – aber klar in der Sache. Ziel war, Impulse zu geben, bekannte Muster zu hinterfragen und Arbeitsschutz modern zu denken: als Führungs- und Kulturthema, das Menschen erreicht und dadurch messbar wirkt.
KI als Entscheidungshilfe: Mineralische Abfälle regelwerkskonform klassifizieren
Zum Abschluss zeigte Carl Wolfgang Finck (Mineral Waste Manager GmbH), wie KI-gestützte Analyseprozesse die abfallrechtliche Entscheidungsfindung in der mineralischen Abfallwirtschaft unterstützen können. Sein Ausgangspunkt: Der Engpass liegt häufig nicht in fehlenden Daten, sondern in der fachlichen Bewertung und Einordnung – vor allem bei komplexen Regelwerken und länderspezifischen Vorgaben.
KI kann hier Abhilfe schaffen, indem sie Laboranalysen strukturiert und verifiziert, Messwerte mit relevanten Regelwerken abgleicht und praxisnah in Haufwerken und realen Stoffströmen denkt. Ergebnis sind transparente, nachvollziehbar dokumentierte Einstufungen, reduzierte manuelle Prüfschritte, kürzere Durchlaufzeiten und eine frühere Erkennung von Fehlklassifizierungen – mehr Effizienz und Rechtssicherheit auf der Baustelle.
Fazit: Vielfalt ist kein Schlagwort – sie ist der Alltag der Branche
Die FACHTAGUNG ABBRUCH 2026 machte deutlich, warum ein Oberthema in diesem Jahr bewusst nicht gesetzt wurde: Die Abbruchbranche ist zu vielseitig, um sie auf einen Begriff zu reduzieren. Rückbau bedeutet immer neue Rahmenbedingungen – mal prägt die Umgebung die Methode, mal der Betrieb, mal Gefahrstoffe, Verkehr, Zeitdruck, Dokumentationsanforderungen oder das Ziel, Material möglichst hochwertig in den Kreislauf zurückzuführen.
Genau diese Vielfalt ist zugleich die Stärke der Branche. Die Vorträge zeigten, wie breit das Spektrum ist – von industriellen Großrückbauten über Kerntechnik und hochpräzise Sprengungen bis hin zu elektrifizierten Baustellen und KI-gestützten Analyse- und Entscheidungsprozessen. Rückbau erfordert Erfahrung, Planungstiefe und Innovationsbereitschaft – und vor allem die Fähigkeit, für jedes Projekt die passende Lösung zu entwickeln.
Nach einem intensiven Tag bot der anschließende Dialogabend den Tagungsteilnehmern in entspannter Atmosphäre die Gelegenheit, Eindrücke zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und Gespräche aus der Fachausstellung fortzusetzen.
Ausblick auf 2027
Interessierte können sich bereits jetzt den Termin für die FACHTAGUNG ABBRUCH 2027 vormerken, die am 05. März 2027 wiederum in der STATION-Berlin stattfindet.
Informationen zur FACHTAGUNG ABBRUCH stellt der DA auf der Webseite https://www.fachtagung-abbruch.de/ bereit.
Weitere Informationen: Deutscher Abbruchverband | © Fotos: Deutscher Abbruchverband| Jule Halsinger
Bauforum24

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