VDBUM Abschlussbericht Großseminar

"Ideen von Heute schaffen Lösungen von Morgen“

Stuhr, 19.02.2020 - Digitalisierung, innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau – das waren die bestimmenden Themen des 49. VDBUM-Großseminars unter dem Motto „Ideen von Heute schaffen Lösungen von Morgen“. Rund 1.200 Teilnehmer besuchten den Branchentreff, der vom 11. bis 14. Februar 2020 im Sauerland Stern-Hotel in Willingen stattgefunden hat.


Bauforum24 TV Videos: VDBUM Seminar 2020


Presseinformation VDBUM 19-02-2020_Abschlussbericht_Großseminar_1 (FILEminimizer) (1920).jpgRainer Bomba (Staatssekretär a.D.), Joachim Schmid (Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen), Moderator Nick Lisson und VDBUM-Präsident Peter Guttenberger diskutierten über offene Schnittstellen in der Baumaschinentechnik (v.l.n.r.).

Die Politik habe die Weichen für die Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur und den Wohnungsbau gestellt, erklärte Peter Guttenberger, Präsident des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik, zu Beginn der Veranstaltung. Dies sei erfreulich für Baufirmen und Zulieferer, leider aber seien Planungskapazitäten und Personalbestand für die Bauausführung zum Flaschenhals für ein schnelleres Vorankommen geworden. Mit Blick auf die vielen Veränderungen und Herausforderungen, die auf die Branche zukommen, untermauerte Guttenberger, dass auch in Zeiten Künstlicher Intelligenz der Mensch die wesentliche Rolle bei neuen Entwicklungen einnehme: „Gute Lösungen für Morgen werden das gemeinsame Ergebnis aus wissenschaftlicher Forschung, exzellentem Ingenieurwissen, handwerklicher Professionalität und informationstechnologischer Unterstützung sein.“

Rainer Bomba, Staatssekretär a.D., kritisierte in seinem Impulsvortrag am Eröffnungsabend, dass die Bauindustrie als Schlüsselindustrie der Bundesrepublik Deutschland „in jeder Legislaturperiode einem anderen Ministerium zugeordnet“ werde. Ein eigenständiges Ministerium für das Bauwesen sei unabdingbar. Bezüglich der anstehenden milliardenschweren Infrastrukturmaßnahmen zeigte sich der Politiker nicht als Verfechter der schwarzen Null: „Nach Jahrzehnten der Sparsamkeit sollte man dann investieren, wenn das Geld billig ist. Das ist es jetzt“, so Bomba, der zudem eine Planungsbeschleunigung anmahnte: „Es gibt zu wenig planfestgestellte Projekte und zu wenig Baurecht. Wir müssen das deutlich schneller bewerkstelligen, um das Geld auf die Baustellen zu bekommen.“ Der Ausbau der digitalen Infrastruktur entscheide über die Zukunft des Standorts Deutschland, denn „die Investoren gehen dorthin, wo der Breitbandausbau erfolgt.“

Lösungsorientierter Experten-Talk
Bomba nahm auch am VDBUM-Talk am ersten Seminartag teil und diskutierte mit Joachim Schmid (Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen), Prof. Dr. Frank Will (TU Dresden), VDBUM-Präsident Peter Guttenberger, Frank Limprecht (DB Netz AG) und VDBUM-Vorstand Josef Andritzky, Geschäftsführer der Kassecker GmbH,  über Erfolge und aktuelle Stolpersteine auf dem Weg zur Digitalisierung der Baubranche. Die Moderation übernahm Antenne Bayern-Moderator Nick Lisson. Prof. Will berichtete von der vollständig vernetzten Modell-Baustelle, die derzeit in Sachsen errichtet wird. Ziel des Projekts ist herauszufinden, welche digitalen Prozesse möglich sind und an welchen Stellen es noch Forschungsbedarf gibt. Die Bahn strebt die vollständige Vernetzung in zehn Jahren an, erklärte Limprecht. Seit 2020 werden alle Großprojekte mit Building Information Modeling (BIM) durchgeplant „Über Kollisionsprüfungen können wir frühzeitig sehen, wo es Probleme geben kann“, so Limprecht weiter. Andritzky hob hervor, wie wichtig es ist, diejenigen Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben. Damit sprach er ein Thema an, das in vielen Vorträgen an den drei Seminartagen thematisiert wurde, nämlich die Belegschaft einzubinden und ihr die Angst vor digitalen Prozessen zu nehmen.

Presseinformation VDBUM 19-02-2020_Abschlussbericht_Großseminar_2 (FILEminimizer) (1920).jpgDieter Schnittjer (VDBUM-Geschäftsführer), Thorsten Schneider (Leiter der VDBUM-Akademie) und Sergey Merinov (VDBUM-Webgestaltung und Eventservice) informierten über die Weiterbildungsangebote des Verbandes. Ansprechpartnerin am Stand war die Auszubildende Josephin Ebeling (v.r.n.l.).

Nicht kompatible Schnittstellen in der Baumaschinentechnik stellen ein großes Hemmnis auf dem Weg zur smarten Baustelle dar. Im Gespräch zwischen Joachim Schmid und Peter Guttenberger wurden die unterschiedlichen Positionen von Anwendern und Herstellern ausgetauscht. Im Nachgang des Seminars wird der VDBUM dem VDMA ein Feedback bezüglich der digitalstrategischen Anforderungen seiner Mitglieder geben, damit dieser mit den Herstellern über Lösungen sprechen kann, die den Bauprozess unterstützen. „Wir haben die Sprache entwickelt, nun muss die Grammatik formuliert werden“, so Guttenberger. Letztlich bestehe Einigkeit darin, dass an der Erstellung einer gemeinsamen Plattform kein Weg vorbeiführt. „Wir ziehen an einem Strang“ unterstrich Schmid und berichtete, dass bei den Herstellern ein breiter Konsens erreicht worden ist.

Diese wichtige Thematik durchzog auch die zweite Gesprächsrunde, in der sich Peter Guttenberger das Podium mit Toni Kiesel (Kiesel GmbH), Rudolf Arnold (Liebherr Hydraulikbagger) sowie Axel Fischer (Wacker Neuson) teilte. Fischer erklärte, dass Hersteller, die nur auf die Vernetzung eigener Maschinen setzten, auf Dauer nicht am Markt bestehen könnten. Dass es bereits Lösungsansätze gibt, zeigte Arnold anhand des adaptiven Bedienkonzepts Intusi von Liebherr auf, das sowohl mit dem Fahrer kommuniziert als sich auch mit den anderen Maschinen und Systemen der digitalen Baustelle vernetzen kann. „Wie aber bekommen wir die Baustelle 5G-vernetzt?“, fragte Kiesel. Es müsse  deutlich mehr Druck auf die Politik ausgeübt werden, damit der Baubranche die benötigte Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird.

Informieren und Motivieren
Wie in den Vorjahren fand ein dreizügig gegliedertes Seminarprogramm mit rund 50 Vorträgen fachkundiger Referenten statt. Ein Drittel der Vorträge beschäftigte sich mit digitalen Prozessen, wobei dieses Thema auch in den anderen Vortragsblöcken - innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau - allgegenwärtig war. In der begleitenden Fachausstellung, an der wieder mehr als 100 Unternehmen und Hochschulen im Tagungshotel und im Freigelände teilnahmen, konnten die in den Vorträgen gewonnenen Erkenntnisse zu neuen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen vertieft werden. Der VDBUM selbst informierte dort über seine vielfältigen Serviceleistungen für die Mitglieder wie das Web-Training oder sonstige Weiterbildungsangebote.

Presseinformation VDBUM 19-02-2020_Abschlussbericht_Großseminar_3 (FILEminimizer) (1920).jpgEin Kissen für den guten Zweck: Die VDBUM-Vorstände Dirk Bennje und Prof. Jan Scholten, Kissenersteigerer Stefan Sparwel, Kissenversteigerer Jan Bröker und Toni Kiesel, der sich über den Erlös in Höhe von 1.500 Euro freute, die seiner Stiftung zu Gute kommen sollen. (v.r.n.l.).

Zum mittlerweile sechsten Mal lud der Verband im Rahmen seines Patenschaftsprogramms Nachwuchskräfte zur Teilnahme am Großseminar ein. 14 Firmen ermöglichten den 39 Teilnehmern den kostenlosen Besuch. Der Kreis der Teilnehmer war gegenüber der Vorjahresausgabe deutlich gesenkt worden, um die beste Betreuung der Studenten und Meisterschüler sicherstellen. Dass die Idee der Patenschaften nachhaltig wirkt, zeigte sich daran, dass einer der früheren Teilnehmer ein zweites Mal zum Seminar kam – diesmal allerdings als Fachreferent. Premiere feierte eine weitere Nachwuchsinitiative, die der VDBUM gemeinsam mit der TU München ins Leben gerufen hatte. Dabei hatten junge Start-Up-Firmen die Chance, sich auf dem Seminar zu präsentieren

Die Vortragspausen und die drei Abendveranstaltungen wurden von den Veranstaltungsteilnehmern wieder einmal gern zum Vernetzen genutzt. Seit jeher kommen Anwender, Vermieter, Händler und Hersteller beim Großseminar zum fachlichen und persönlichen Austausch zusammen.

Die von den Schwerpunktpartnern Liebherr, Kiesel und Wacker Neuson/Kramer Allrad ausgerichteten Abendgalas waren gespickt mit Information, Innovation und Unterhaltung.

Am zweiten Abend wurde der VDBUM-Förderpreis in den Kategorien „Innovationen aus der Praxis“, „Entwicklungen aus der Industrie“ und „Projekte aus Hochschulen und Universitäten“ vergeben. Durch den mit je 2.500 Euro dotierten Preis hat der Verband bereits zum achten Mal Innovationen gewürdigt, die den Fortschritt der Baubranche vorantreiben. Die diesjährigen Preisträger sind die Züblin Timber GmbH, die Wacker Neuson Produktion GmbH & Co. KG sowie die Technische Universität Darmstadt. VDBUM-Vorstand Dirk Bennje, der die Preisträger zusammen mit Peter Guttenberger und Vorstand Prof. Jan Scholten ehrte, bezeichnete alle 34 eingereichten Beiträge als einen „Ausblick auf die Zukunft. Die Einreicher zeigen, dass sie etwas verändern wollen“. Toni Kiesel drückte seine Wertschätzung für den Förderpreis auf besondere Weise aus. Er bot den Preisträgern an, Ihre Siegerbeiträge ein Jahr lang kostenfrei in der Baumaschinenwelt Coreum zu präsentieren.

Vom Running Gag zum guten Zweck
Ebenfalls am zweiten Seminarabend wurde deutlich, dass die VDBUM-Vorstandsmitglieder Spaß an ihrer Tätigkeit haben und der Humor bei der Verbandsarbeit nicht zu kurz kommt. Schon seit Längerem fordert Dirk Bennje Jan Scholten auf, ihm doch ein VDBUM-Kissen zu sticken, das er sich dann sichtbar ins Heck seines Wagens legen werde. Nun hat Scholten tatsächlich sein handarbeitliches Geschick unter Beweis gestellt und seinem Vorstandskollegen ein wahrlich meisterhaftes Kissen überreicht. In Bennjes Auto wird es dennoch nicht Platz nehmen, da er kurzerhand Jan Bröker vom Auktionshaus Dechow, einem VDBUM-Mitgliedsunternehmen, auf die Bühne bat, der in einer Spontanversteigerung einen absoluten Spitzenpreis erzielte. Für 1.500 Euro ging das Unikat an Stefan Sparwel von der Firma Kinshofer. Den Erlös erhält die Coreum Stiftung, deren Gründung Toni Kiesel angekündigt hat. Sie wird Menschen unterstützen, die in der Baubranche tätig sind und unverschuldet - etwa durch Arbeitsunfälle - in Not geraten sind.

Presseinformation VDBUM 19-02-2020_Abschlussbericht_Großseminar_4 (FILEminimizer) (1920).jpgDie rund 1.200 Teilnehmer des 49. VDBUM-Großseminars nutzen in der Fachausstellung die Möglichkeit zum fachlich-persönlichen Austausch.

Dies blieb nicht die einzige Spendenübergabe des Abends. Im Zuge des Teilabrisses der VDBUM-Zentrale in Stuhr war die Idee entstanden, Teile des Inventars vor dem Sperrmüll zu retten und stattdessen für einen guten Zweck zu versteigern. Das Auktionshaus Dechow übernahm diese Aufgabe, konnte 451 Euro erzielen und legte 1.000 Euro obendrauf. Da 1.451 Euro aber eine krumme Summe sind, erhöhte der VDBUM den Betrag noch einmal um 1.049 Euro. Den Scheck über 2.500 Euro nahm VDBUM-Mitglied Werner Oertel entgegen, der sich im „Bilbassi e.V. – Verein zur Unterstützung senegalesischer Kinder“ engagiert. Oertel berichtete vom Kinderkrankenhaus in M’Bour und dass durch derartige Hilfsprojekte vor Ort Fluchtursachen sinnvoll bekämpft werden.

Am dritten Abend sorgte der Entertainer und Buchautor Frank Astor mit Auszügen aus seiner Infotainment-Show „Future now – Zukunft ist jetzt!“ und Gedanken zu Künstlicher Intelligenz, Megatrends und Digitaler Transformation für viele Lacher und auch nachdenkliche Momente.

Zum Abschluss des 49. Großseminars zeigte sich VDBUM-Präsident Peter Guttenberger hochzufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und dem positiven Feedback, das er und seine Vorstandskollegen von Anwendern, Herstellern und den Ausstellern erhalten haben. „Es ist eine große Herausforderung, diese Veranstaltung im kommenden Jahr zu übertreffen. Wir haben aber schon einige Ideen, um das Seminar im 50. Jahr des Bestehens unseres Verbandes zu einem ganz besonderen Event machen“, verspricht Guttenberger. Das VDBUM-Seminar 2021 findet vom 23. bis 26. Februar  in Willingen statt.

Presseinformation VDBUM 19-02-2020_Abschlussbericht_Großseminar_5 (FILEminimizer) (1920).jpg

Bei der Mitgliederversammlung zum Abschluss des Großseminars berichteten Geschäftsstellenleiter Wolfgang Lübberding sowie die Vorstände Michael Hennrich, Josef Andritzky, Dirk Bennje, Präsident Peter Guttenberger, Prof. Jan Scholten, Dieter Schnittjer und Roland Caillé (v.l.n.r.) von den Planungen zum 50jährigen Bestehen des  Verbandes, das 2021 gefeiert wird.

 

Weitere Informationen: VDBUM | © Fotos: VDBUM


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