VDBUM Seminar 2018 bricht Rekorde

Seminar-Themen treffen den Zahn der Zeit

Willingen, Februar 2018 - Die Digitalisierung treibt zurzeit die gesamte Wirtschaft und Politik um. Diesem Zukunftsthema widmete das 47. VDBUM-Seminar vom 21. bis 24. Februar 2018 in Willingen ein besonderes Augenmerk. Und traf damit offensichtlich das Interesse der führenden Köpfe der Baubranche. Mit rund 1.200 Teilnehmern konnte der Veranstalter, der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik, die schon beeindruckenden Besucherzahlen der Vorjahre nochmals toppen.


Bauforum24 TV Video: VDBUM Seminar 2018 Rundgang - Baumaschinen fahren in Virtual Reality?


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Hochkarätige Podiumsdiskussion zur Digitalisierung in der Baubranche

„Mit diesem Erfolg unterstreicht das erste Veranstaltungs-Highlight des Jahres für die Baubranche seinen Anspruch als Spitzentreffen der Kompetenzträger und Entscheider. Dass wir am neuen Standort drei Jahre in Folge derartige Steigerungen bei der Nachfrage nach unserem Seminarangebot verzeichnen konnten, werten wir als eine Bestätigung unseres Konzepts und der ausgewählten Fachthemen“, sagt VDBUM-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dieter Schnittjer.

Dabei hat der VDBUM als Veranstalter es verstanden, dem Ereignis trotz seiner zunehmenden Größe einen familiären Charakter zu erhalten. So ist das Treffen immer auch ein gern genutztes Wiedersehen unter Fachleuten, das mit seinem abwechslungsreichen Rahmenprogramm auch viel Raum eröffnet für ein ebenso informelles wie geselliges Miteinander.

Digitalisierung im Fokus

Das Leitthema der gesamten Veranstaltung lautete „Mensch, Umwelt und Maschinen im digitalisierten Bauprozess“. Dementsprechend zog sich die Digitalisierung wie ein roter Faden durch die insgesamt 53 Fachreferate und Workshops. Den Auftakt machte die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion „VDBUM-Talk Digitalisierung in der Baubranche“, die unter der professionellen Moderation durch Alexandra von Lingen aus Sicht der Industrie, der Anwender und der Forschung ausgeleuchtet wurde. Von Seiten der Industrie beteiligten sich Marco Maschke, Manager German Office von Komatsu, Erich Sennebogen, Geschäftsführender Gesellschafter der Sennebogen Maschinenfabrik, Andreas Lohner, Geschäftsführer der Wacker Neuson Group, und Franz-Josef Paus, Geschäftsführender Gesellschafter der Paus Maschinenfabrik. Für die Anwender standen Peter Guttenberger, Geschäftsführer Max Bögl, Alfons Trautner Geschäftsführer der Strabag BMTI, sowie Ingo Junker, Geschäftsführer der August Prien Bauunternehmung, auf dem Podium, während Prof. Dr. Manfred Helmus von der Uni Wuppertal die Forschung vertrat.

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Treffen der führenden Köpfe: Das verschneite Willingen war im Februar für drei Tage das Zentrum der Baubranche

Marco Maschke stellte für Komatsu fest, dass mittlerweile nicht nur große, sondern auch kleinere und mittlere Unternehmen in die Digitalisierung eingestiegen sind. Intelligente Maschinensteuerungen stünden dabei im Zentrum der Entwicklung. 4500 halb- und vollautomatisierte Maschinen des Herstellers seien bereits weltweit im Einsatz. Produktivitätssteigerungen von über 75 Prozent seien möglich. Um auch aber auch Prozessketten abbilden zu können, kommt die Schnittstellenthematik ins Spiel. Hier hat der Hersteller zusammen mit anderen Unternehmen in einem Joint Venture ein System entwickelt, das eine Plattform bietet, in die alle Hersteller ihre Daten eingeben können. Aber auch im Vertrieb stelle die Digitalisierung ganz neue Herausforderungen. Dazu habe man ein Spezialistenteam zusammengestellt mit Experten für Vermessungstechnik und die Steuerung des Bauprozesses. Die Vertriebsmitarbeiter müssten digitaler denken, neben Schaufelgrößen und Motorkennzahlen träten beispielsweise auch Konnektivität und die Übermittlung von Telemetriedaten. Als Hersteller müsse man die gelieferten Daten genau analysieren, um den Kunden nur solche Daten anzubieten, die für ihn einen echten Mehrwert haben.

Andreas Lohner von Wacker Neuson betonte, dass es bei aller Technik und Digitalisierung ganz wichtig sei, dass die Anwender, die mit den Maschinen arbeiten, auch Spaß bei der Sache hätten und eine echte Erleichterung erfahren. Letztlich müsse die Maschine funktionieren, jegliche technische Komplexität sollte nicht ablenken, sonders es muss einfach bedienbar bleiben. Darüber sei man im intensiven Dialog mit den Kunden, um festzustellen, was ihnen wichtig sei und nicht dem Hersteller. Der eine lege Wert darauf, dass er ganz schnell und einfach Ersatzteile identifizieren kann, der andere brauche Unterstützung im mobilen Service durch virtuelle Brillen, damit man ihm, ohne einen Servicetechniker in die Alpen zu fliegen, dort schnell helfen könne, indem man sich über Remote zuschalte. Diese heterogenen Anforderungen gelte es so zu standardisieren, dass sie handelbar werden.

Bei Sennebogen zieht sich nach Aussage von Erich Sennebogen die Digitalisierung durch das ganze Unternehmen, von der Konstruktion über die Bauteileverwaltung und das Ersatzteillager bis hin zum Dealer Information Center, einer Plattform, auf der die Händler sämtliche Vertriebs-, Service- und Ersatzteilinformationen erhalten können. Wichtig sei es immer, dass man möglichst alle einbindet, dass die Informationen gut verteilt sind und dass die Kommunikation funktioniert. Dazu dienten Plattformen, wo jeder Informationen abrufen oder einstellen könne. Es gebe kein Generalkonzept, vielmehr müsse jedes Unternehmen für sich entdecken, wo es Digitalisierungspotenzial hat und es einsetzen kann. Dabei müsse man sich die Frage stellen, was macht Sinn und was macht keinen Sinn, sondern produziert nur Daten, die niemand mehr anschaut.

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Mehr Teilnehmer denn je: Rund 1.200 Besucher konnte Vorstandssprecher Peter Guttenberger auf dem 47. VDBUM-Großseminar in Willingen begrüßen

Franz-Josef Paus von der Paus Maschinenfabrik und neuer Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Baumaschinen und Baustoffanlagen hat sich bei Amtsantritt das Thema Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. Dabei gebe es viele verschiedene Facetten: den eigenen Produktionsprozess zu organisieren, Maschinendaten zu erfassen und Telemetrie zu nutzen, bis hin zum intelligenten Vernetzen der verschiedenen Maschinen und Gewerke. Die größte Herausforderung sei „die schiere Vielfalt dessen, was da passiert“: ob ERP in den Unternehmen, Steuerungssysteme innerhalb der Maschine oder BIM. Bei der Vernetzung der verschiedenen Systeme könne eine moderierende Organisation dazwischen eine herstellerunabhängige Plattform bieten, wie beispielsweise die FVB Forschungsvereinigung Baumaschinen innerhalb des VDMA.

Bei der Strabag BMTI beschäftigt man sich nach den Worten von Alfons Trautner mit der Digitalisierung nicht, weil es jetzt modern ist. Vielmehr gehe es in dem Unternehmen seit langer Zeit um Effizienz, Termintreue Qualität und Arbeitssicherheit. Hier sei man sicher, dass die Digitalisierung ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sein wird. Bei BIM im Hochbau sei man schon weit, BIM im Verkehrswegebau werde zunehmend relevant. Man beschäftige sich stark mit dem Thema Drohnen und hochauflösende Vermessung. Bei den Baumaschinen arbeite man intensiv am Projekt Werkstatt 4.0, um dem Monteur auf der Baustelle alle nötigen Informationen für die Reparatur einer Maschine zur Verfügung zu stellen. Auf den Baustellen gebe es viele kleine Lösungen. Sie müssten den Mitarbeitern unmittelbar etwas bringen, und nicht mit bürokratischem Mehraufwand das Leben erschweren. Es werde viel Datenmüll erzeugt, die wichtigsten Informationen müssten noch besser herausgefiltert werden.

Beim Hamburger Bauunternehmen August Prien beschäftigt man sich laut Ingo Junker mit der Digitalisierung, um die Entwicklung im Griff zu behalten. Als Mittelständler könne man nicht selbst große Lösungen entwickeln, vielmehr sei man darauf angewiesen, dass Systeme angeboten werden, bei denen sich mehrere Maschinen einbinden lassen. Die losen Enden müssten noch mehr zusammengebunden werden. Wenn die Mitarbeiter den Mehrwert erkennen, seien sie sofort engagiert mit dabei. Es gebe super Einzellösungen mit riesigen Möglichkeiten, aber sie müssten baustellengerecht bleiben, um von den vorhandenen Mitarbeitern gehandelt werden zu können. Durch ein vernünftiges Downsizing könnten die Dinge erst einmal ans Laufen gebracht werden.

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Die begleitende Fachausstellung bot zwischen den Vorträgen immer wieder Gelegenheit zum interessanten Gedankenaustausch

Peter Guggenberger von Max Bögl spannte den Bogen noch weiter. Die Bauunternehmen stünden im Spannungsfeld zwischen den Baumaschinenherstellern, die Maschinen mit einer bestimmten Intelligenz liefern, und ihren eigenen Kunden, wie die Autobahndirektion oder die Wohnungsbaugesellschaft, die eigene Ideen von Digitalisierung einbrächten. Durch die Digitalisierung könne man seinen Kunden einen Mehrwert in Form von zusätzlichen Informationen über den Bauprozess anbieten. Bei den Baumaschinen als mobilen Produktionsanlagen müsse man die Leistung messbar machen. Auch dazu könne die Digitalisierung beitragen, nicht indem sie einen Wust an Zahlen liefere, sondern mit einigen wichtigen Eckdaten, die die Leistung greifbar machen. Darüber müssten sich die Hersteller und die Betreiber der Baumaschinen abstimmen und Standards definieren.

Aus der Wissenschaft beteiligte sich Prof. Dr. Manfred Helmus von der Bergischen Universität Wuppertal, der als einer der „Urväter des BIM“ gilt. BIM ist für ihn ein Datenmanagementsystem für die bei der Erstellung des  kochkomplexen Produkts Bauwerk anfallenden unzähligen Informationen. Parallel zum Bauwerk entstehe ein digitales Modell des Bauwerks. Vor der Digitalisierung aber gelte es, zunächst die Prozesse in den Griff zu bekommen und die zwischen den unzähligen Beteiligten bestehenden Schnittstellenprobleme zu lösen. Außerdem müsse man die Menschen für die Digitalisierung erst einmal befähigen. Diese Menschen sehe er zurzeit noch nicht. Neben der Digitalisierung sei der Nachwuchsmangel das zweite große Thema in der Branche. Diesen Nachwuchs müsse man ausbilden, ob an Universitäten oder in den Bildungscentern der Bauindustrie und in Unternehmen. Die Ausbildung sollte nach einem möglichst einheitlichen Konzept erfolgen.

In dem anschließenden komplett dreizügigen Vortragsprogramm wurde an den drei Seminartagen die in der Podiumsdiskussion eingeleiteten Themenlinien in Details ausgeführt. Die das Seminar begleitende Ausstellung mit insgesamt 103 Ausstellern bot die Gelegenheit, die Vortragsinhalte anschaulich zu erweitern und zu vertiefen. Im Innenbereich befand sich die 1.600 m2 große Ausstellungsfläche in zentraler Lage zwischen den Vortragsräumen und wurde für größere Exponate durch zusätzliche 2.500 m2 Flächen im Außengelände ergänzt. Hier hatten die Teilnehmer nicht nur in den Pausen die Gelegenheit für einen informellen Rundgang und das direkte Gespräch mit den ausstellenden Unternehmen.

Nach den anspruchsvollen und anstrengenden Seminartagen klang auf den Abendveranstaltungen das Programm in entspannter und kommunikativer Atmosphäre aus. Diese stilvollen Galaabende sind bei den Teilnehmern immer wieder sehr beliebt. Hier lassen sich ohne Zeitdruck fachliche oder auch einfach nur gesellige Gespräche führen, bestehende Kontakte pflegen oder neue knüpfen. Im Rahmen der Abendveranstaltung am Mittwochabend wurde zum sechsten Mal der „VDBUM-Förderpreis für Innovationen in der Bauwirtschaft“ verliehen. Der in der Branche einzigartige Preis hat sich fest etabliert und erfreut sich weiter zunehmender Beachtung.

Mit seinem umfassenden Themenangebot, den kompetenten Fachreferenten und einem attraktiven Begleitprogramm bildet das VDBUM-Seminar einmal im Jahr eine Landmarke für die gesamte Baubranche. Diesem hohen Anspruch ist der Veranstalter in vollem Umfang gerecht geworden. Das nächste VDBUM-Seminar findet vom 19. bis 22. Februar 2019 ebenfalls wieder im Sauerland Stern-Hotel in Willingen statt.

Weitere Informationen: VDBUM Website, VDBUM 2018 Videos | © Fotos: VDBUM


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